An der Grenze zwischen Demokratie und Autokratie

Die Sorge auf der Reise nach Nuijamaa versehentlich im russischen St. Petersburg zu landen, wo kritische Journalisten gerne mal eingesperrt oder beseitigt werden, ist trotz geographischer Nähe unbegründet. Zu deutlich sind die Warnschilder, die Barrikaden, die Grenze, die hier seit einigen Monaten wieder eine harte, eine schier unüberquerbare ist.

 

Im Winter 2023, als Moskau mehr als 1.000 Migranten aus Drittländern an die Grenze zwischen Russland und Finnland karren ließ, wurde sie zunächst temporär, seit April 2024 auf unbestimmte Zeit geschlossen. Weiter nördlich mag es entlang der 1.340 km langen Grenze vielleicht ein paar Schlupflöcher geben, aber hier sollte man es trotz relativ bescheidenem Polizeiaufkommen nicht wagen. Überall sind Sensoren und Kameras angebracht - und das Militär in Lauerstellung.

Am Weg zum Grenzdörfchen Nuijmaa, wo einst tausende russische Touristen täglich einzogen, um westliche Lebensmittel zu erwerben (und Finnen zum günstigen Tanken nach Russland pilgerten) wurde es heute fast gespenstisch ruhig. Kaum Autos, maximal ein paar Traktoren, die bei der Feldarbeit zu sehen sind. Die riesigen Einkaufshallen sind verwaist, stehen leer.

Kurz vor Nuijamaa bin ich heute jedenfalls zum ersten Mal über eine meiner liebsten Grenzkuriositäten, und den eigentlichen Grund meiner Reise gefahren, den Saimaa-Kanal. Darüber möchte ich euch die nächsten Tage dann mehr erzählen. Nur so viel vorab: er verbindet eigentlich seit Jahren Finnlands größten See mit dem russischen Meer. Ihr könnt euch wohl vorstellen, dass dies in der aktuellen Situation schwierig ist.

Hier dennoch ein Vorgeschmack auf den wunderschönen Saimaa-Kanal.

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“Als Franzosen leben und sterben”